
Unfortunately I have so much work to do right now and cannot post as much as I want to. However, I hope that will change soon!
Sachdienliche Hinweise - a BLOG by S. van der werf xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx













Gerokreuz, um 970, Holz, Kölner Dom.



Hirschfries, Schloss Güstrow, gestaltet von Christoph Parr in den Jahren 1569-71
Rosso Fiorentino, Christus in forma pietatis, 1524-27, Museum of Fine Arts, Boston.
Marcantonio Raimondi, Judgement of Paris, Engraving, ca. 1515, to a design by Raphael.
Édouard Manet, Le déjeuner sur l'herbe, 1862-63, Musée d'Orsay, Paris.
Anzeige des Fashionlables Marithe Francois Girbaud.
Leonardo da Vinci, Last Supper, 1495-98, Santa Maria delle Grazie, Milan.
Konrad Witz, Heilsspiegelaltar, Die Helden Sibbechai und Benaia, Innenseite, 1430-50, Kunstmuseum Basel.
Zentrales Exponat der Ausstellung ist der von Witz um 1430/35 vermutlich für die Basler Leonhardskirche geschaffene Heilsspiegelaltar (Altaraufsatz). Erstmals nach einer mehrjährigen Restaurierung werden die neun Tafeln aus dem Bestand des Basler Museums wieder gezeigt und vorübergehend mit weiteren in Dijon und Berlin verwahrten Bestandteilen des Altaraufbaus zusammengeführt.
Tafel der Außenseite:
Konrad Witz, Heilsspiegelaltar, Hl. Bartholomäus, Außenseite , 1430-50.
Tafel der Innenseite des rechten Flügels:
Konrad Witz, Heilsspiegelaltar, König Salomon und die Königin von Saba, rechter Flügel Innenseite, 1430-50, Gemäldegalerie Berlin.
Die Ausstellung zeigt die einzelnen Tafeln des Altaraufsatzes nebeneinander in zwei Registern an der Wand hängend. Die Präsentationsform entspricht damit nicht der ursprünglichen Bildsituation der Altartafeln. Vor der Zerstörung waren die Tafeln Teil eines beidseitig mit Flügeltüren versehenen Altaraufbaus (die folgende Abbildung zeigt ein Flügelretabel). Ein solcher Altaraufbau wird auch als Flügelretabel bezeichnet. Flügelretabel bestehen in ihrer einfachsten Form aus einem Schrein, den links und rechts zwei Flügel rahmen. Scharniere ermöglichen das Öffnen und Schließen der Flügel, sodass bei geschlossenem Zustand allein die Außenseiten, nicht aber die Innsenseiten der Flügel und der Schrein (feststehendes Mittellstück) sichtbar sind.
Niklaus Weckmann (1481-1528), Talheimer Altar (Bild zeigt geöffneten Zustand: es sind die Innenseiten der Flügel und der Schrein sichtbar, nicht aber die Außenseiten), um 1520, Landesmuseum Württemberg.
Die wandelbare Gestalt des Retabels erlaubt es, verschiedene Darstellungen zu zeigen und damit das Aussehen des Altaraufbaus zu verändern. Über die konkrete Nutzung der einzelnen Schauseiten eines Retabels ist leider kaum etwas bekannt, daher lassen sich hier nur Vermutungen anstellen. Eine in der Forschung vertretene Vorstellung besagt, dass der Wechselrhythmus des Retabels an den Kirchenkalender gebunden war, wobei die Außenansicht an Werktagen und die inneren Ansichten an Feiertagen präsentiert wurden. Wandlungen des Retabels beispielsweise im Rahmen der Messhandlungen werden dabei nicht in Erwägung gezogen, bleiben aber vorstellbar.
Unabhängig davon, ob eine Wandlung während des Gottesdienstes vorgesehen war oder nicht, war aufgrund der mehransichtigen Gestalt des Flügelretabels immer nur eine Ansicht für den Betrachter sichtbar. Die übrigen Tafeln waren unsichtbar und damit der sinnlich-visuellen Wahrnehmung entzogen. Allein über den Vorgang der Erinnerung und eine Form des geistigen Sehens konnte sich der Betrachter die verdeckten Bereiche des Retabels vergegenwärtigen. (Da das Retabel ein feststehendes Bildangebot hat, das in einer zyklischen Wiederholung gezeigt wurde, kann angenommen werden, dass der Betrachter mit allen Darstellungen vertraut und sich ihrer Existenz trotz ihrer Unsichtbarkeit bewusst war. Es ist damit anzunehmen, dass er in der Lage war, sich ihrer zu erinnern.) Seit der Patristik wird die Messe als Gedächtnisfeier des Opfers Christi begriffen. Die Erinnerung spielt damit eine für die Messe zentrale Rolle. Da die wandelbare Gestalt des Flügelretabels den Vorgang der Erinnerung vom Betrachter fordert, reflektiert und vergegenwärtigt das Retabel ein Grundprinzip der Liturgie.
Der Altar des Konrad Witz weist darüber hinaus eine weitere für Flügelretabel typische Eigenschaft auf, die im Zusammenhang mit der Wandelbarkeit des Erschienungsbildes steht. Dabei handelt es sich um eine mit den Wandlungen einhergehende Steigerung der künstlerischen bzw. materiellen Gestaltung der Darstellungen. Die Außenseiten der Flügel zeigen die Figuren in einem Raum, der Elemente einer sakralen Architektur aufweist. Sie präsentieren die Personen damit in einer an der irdischen Realität orientierten Umgebung. Auf den Darstellungen der darauf folgenden Wandlung erstrahlt der Raum oberhalb der Figuren in einer gleichmäßigen Vergoldung, womit die zweite Ansicht einen deutlich gesteigerten Materialeinsatz aufweist.
Diese Zunahme des künstlerischen und materiellen Aufwands von Wandlung zu Wandlung (wobei die Steigerung von Außen nach Innen erfolgt) ist ein für zahlreiche Flügelretabel genutztes Darstellungsprinzip. Die Steigerung nimmt vermutlich Bezug auf die Bedeutung des Zeitpunktes, an dem die Ansichten gezeigt wurden. An Feiertagen oder auch besonderen Momenten während des Gottesdienstes konnte das Aussehen des Bildschmucks angepasst und eine Ansicht gezeigt werden, die der besonderen Heiligkeit eines Festtages oder einer Zeremonie entspricht. Die Vorstellung einer gesteigerten Heiligkeit wird für den Betrachter visuell wahrnehmbar inszeniert und über das Medium des Bildes sinnlich vermittelt.
Leider verwehrt die Basler Ausstellung mit ihrer aufgereihten und damit der Objektform des Retabels widersprechenden Präsentationsform dem Betrachter einen Einblick in die speziellen Eigenschaften des Flügelretabels und dessen Auswirkung auf die Bildbetrachtung. Nicht einmal der Text oder ein Modell weisen auf die ursprüngliche Bildsituation der Tafeln hin. Damit bleibt eine spezielle Form der frühneuzeitlichen Bildwahrnehmung, die gerade nicht von der simultanen Anschauung und der permanenten Sichtbarkeit des Bildes geprägt war, sondern auf der sukzessiven Wahrnehmung des Bildes und dem damit verbundenen Vorgang der Erinnerung beruhte, dem Ausstellungsbesucher verborgen.
Literatur: Valerie Möhle, Vielfalt - Argumentation - Gleichnis. Das Flügelretabel in St. Jacobi als Bildsystem, in: Bernd Carqué (Hg.), Das Hochaltarretabel der St. Jacobi-Kirche in Göttingen, Göttingen 2005, S. 273-302.